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Selbstständigkeit – oder doch nicht?

01. Oktober 2026

Ein Bereichsleiter Ende 50 kommt mit einer scheinbar klaren Idee ins Coaching:

Er möchte sich selbstständig machen.

Die Vorstellung reizt ihn. Mehr Freiheit. Weniger interne Politik. Eigene Entscheidungen. Keine endlosen Abstimmungsschleifen mehr.

Gleichzeitig ist er unsicher.

Passt Selbstständigkeit wirklich zu ihm? Oder fühlt sie sich vor allem deshalb attraktiv an, weil seine aktuelle berufliche Situation ihn zunehmend frustriert?

Diese Unterscheidung ist wichtiger, als sie zunächst klingt.

Denn eine berufliche Entscheidung kann vernünftig erscheinen und trotzdem auf einem falschen Ausgangspunkt beruhen.

Nicht sofort am Geschäftsmodell arbeiten

In einer solchen Situation wäre es naheliegend, direkt über Angebote, Zielgruppen, Positionierung oder Umsätze zu sprechen.

Im Strategic Career Design beginnt die Arbeit an einer anderen Stelle.

Zuerst wird geklärt: Was genau fehlt ihm in seiner bisherigen Arbeit? Und was braucht er künftig, damit Arbeit wieder stimmig wird?

Im Verlauf wird deutlich, dass sich seine eigentliche Sehnsucht weniger auf die Selbstständigkeit selbst richtet.

Was ihm fehlt, ist vor allem Autonomie. Er möchte wieder stärker inhaltlich arbeiten, Entscheidungen eigenständiger treffen und deutlich weniger Zeit mit Führungsaufgaben, internen Abstimmungen und organisatorischer Verantwortung verbringen.

Damit verändert sich die Fragestellung.

Es geht nicht mehr darum:

„Wie kann ich mich selbstständig machen?“

Sondern vielmehr:

„Welche berufliche Form ermöglicht mir die Arbeitsweise, die ich künftig möchte?“

Aus einer Idee werden mehrere Möglichkeiten

Sobald diese Frage offen gestellt wird, entstehen Alternativen.

Neben einer Selbstständigkeit kommen plötzlich auch andere Szenarien infrage: eine beratende Rolle innerhalb eines Unternehmens, projektbezogene Tätigkeiten, eine kleinere Führungsfunktion oder der Wechsel in eine Organisation, die mehr fachlichen Gestaltungsspielraum ermöglicht.

Jede dieser Möglichkeiten erfüllt einen Teil dessen, was ihm wichtig ist.

Und genau darum geht es zunächst: nicht möglichst schnell eine Lösung festzulegen, sondern mehrere tragfähige Szenarien sichtbar zu machen.

Erst im nächsten Schritt werden sie geprüft.

Wie realistisch ist die jeweilige Variante?

Welche finanziellen Folgen hätte sie?

Was würde sie im Alltag verändern?

Welche Risiken bringt sie mit sich?

Und welche Form passt tatsächlich zu den kommenden Jahren seines Berufslebens?

Selbstständigkeit kann eine Lösung sein. Sie muss es aber nicht sein.

Am Ende entscheidet sich der Bereichsleiter zunächst gegen eine vollständige Selbstständigkeit.

Er wechselt in eine stärker beratende Rolle, mit weniger Führungsverantwortung und mehr inhaltlicher Arbeit.

Die Idee der Selbstständigkeit verschwindet damit nicht. Sie bleibt als spätere Möglichkeit bestehen.

Aber sie hat ihre Funktion verändert.

Sie ist nicht mehr der vermeintlich einzige Ausweg aus einer unbefriedigenden Situation, sondern eine von mehreren Optionen, die er zu einem späteren Zeitpunkt erneut prüfen kann.

Genau das kann bei beruflichen Wendepunkten entlastend sein.

Eine gute Entscheidung entsteht nicht unbedingt dadurch, dass man schnell weiß, was man tun soll.

Manchmal entsteht sie dadurch, dass man genauer versteht, wonach man eigentlich sucht.

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Hinweis: Dieses Beispiel ist eine beispielhafte Darstellung typischer Fragestellungen und möglicher Verläufe im Strategic Career Design. Es beschreibt keinen einzelnen konkreten Kundenfall.

Der nächste Schritt ist ein Gespräch.

Ursula Moll berät persönlich in Köln und online.