Entscheidung

Soll ich wirklich noch mal den Arbeitgeber wechseln?

30. August 2026

Soll ich wirklich noch mal den Arbeitgeber wechseln?

Mit Anfang 60 denkt man über einen Arbeitgeberwechsel anders nach als mit 35.

Da ist nicht nur die Frage, ob ein anderer Job besser passen könnte.

Da ist sofort auch die andere:

„Wer nimmt mich denn in meinem Alter überhaupt noch?“

Eine erfahrene Führungskraft steht genau an diesem Punkt.

Sie arbeitet seit vielen Jahren im selben Unternehmen. Fachlich ist sie anerkannt, sie kennt die Branche, hat Verantwortung getragen und schwierige Situationen gemeistert.

Aber die Arbeit zehrt zunehmend an ihr.

Zu viele Themen gleichzeitig. Zu viel Verantwortung. Ständige Erreichbarkeit. Immer wieder Aufgaben, die zusätzlich übernommen werden, weil sie zuverlässig ist und Dinge funktionieren sollen.

Der Gedanke zu gehen taucht immer häufiger auf.

Und wird fast ebenso schnell wieder verworfen.

Denn ein Arbeitgeberwechsel mit Anfang 60 fühlt sich nicht wie ein normaler Karriereschritt an. Eher wie der Sprung von einer ziemlich hohen Klippe.

Was, wenn niemand mehr Interesse hat?

Was, wenn sie eine sichere Position aufgibt und hinterher nichts Vergleichbares findet?

Was, wenn sie beim Einkommen deutlich zurückgehen müsste?

Und wie viel Kraft möchte sie überhaupt noch in Bewerbungen, Vorstellungsgespräche und einen kompletten Neustart investieren?

Zwischen Bleiben und Gehen gibt es mehr als zwei Möglichkeiten

In einer solchen Situation wäre es wenig hilfreich, sofort Stellenanzeigen zu suchen.

Zuerst geht es darum, genauer zu verstehen, was eigentlich nicht mehr passt.

Ist es wirklich das Unternehmen?

Oder die jetzige Rolle?

Die Führungsverantwortung?

Der Umfang der Aufgaben?

Die fehlende Abgrenzung?

Oder eine Arbeitsweise, die über viele Jahre selbstverständlich geworden ist, aber inzwischen zu viel Kraft kostet?

Im Laufe der Auseinandersetzung wird deutlich: Sie möchte ihre fachliche Arbeit keineswegs aufgeben. Auch das Unternehmen ist für sie nicht grundsätzlich falsch.

Was sie nicht mehr möchte, ist die bisherige Form ihrer Rolle.

Damit entsteht eine andere Frage:

Muss ich wirklich gehen – oder muss sich meine Arbeit verändern?

Erst Möglichkeiten schaffen, dann entscheiden

Jetzt können verschiedene Szenarien betrachtet werden.

Eine Veränderung innerhalb des Unternehmens gehört genauso dazu wie ein externer Wechsel. Vielleicht lässt sich Führungsverantwortung reduzieren. Vielleicht kann eine stärker fachliche oder beratende Rolle entstehen. Vielleicht lassen sich Aufgaben anders verteilen oder Arbeitszeit und Verantwortungsumfang verändern.

Auch der externe Arbeitsmarkt kann geprüft werden.

Aber nicht unter dem Druck: „Ich muss hier dringend raus.“

Sondern mit der Frage: „Welche realistischen Möglichkeiten habe ich – und was müsste eine Alternative bieten, damit sich ein Wechsel tatsächlich lohnt?“

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Denn gerade in dieser Lebensphase muss niemand eine sichere Position leichtfertig aufgeben, um herauszufinden, ob etwas anderes möglich wäre.

Manchmal ist die richtige Veränderung kleiner als gedacht

Am Ende steht deshalb nicht zwangsläufig die Kündigung.

Vielleicht entsteht zunächst ein Gespräch im bestehenden Unternehmen. Eine Rolle verändert sich. Verantwortung wird anders verteilt. Arbeitsbedingungen werden neu verhandelt.

Vielleicht zeigt die Prüfung aber auch, dass intern kaum etwas veränderbar ist. Dann ist ein möglicher Wechsel keine spontane Flucht mehr, sondern eine Entscheidung, die vorbereitet werden kann.

Beides ist etwas anderes, als jahrelang zu bleiben, nur weil ein Wechsel zu riskant erscheint.

Gerade mit viel Berufserfahrung braucht eine Veränderung nicht mehr Mut um jeden Preis.

Sie braucht Klarheit.

Was genau möchte ich nicht mehr?

Was möchte ich auf keinen Fall aufs Spiel setzen?

Und:

Welche Veränderung wäre groß genug, damit sich meine Arbeit wieder richtig anfühlt – aber nicht größer als nötig?

Vielleicht lautet die Antwort am Ende: bleiben.

Vielleicht lautet sie: gehen.

Aber idealerweise entsteht sie nicht aus Angst vor dem Arbeitsmarkt und auch nicht aus dem Wunsch, einfach nur wegzukommen.

Sondern aus einer realistischen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten.

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Hinweis: Dieses Beispiel ist eine beispielhafte Darstellung typischer Fragestellungen und möglicher Verläufe im Strategic Career Design. Es beschreibt keinen einzelnen konkreten Kundenfall.

Der nächste Schritt ist ein Gespräch.

Ursula Moll berät persönlich in Köln und online.